Zahnbehandlung

Wir haben uns in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt und können Ihnen und Ihren treuen Begleitern auf einem weiteren wichtigen Feld der modernen Tiermedizin professionelle Hilfe anbieten: Zahnheilkunde auf einem hohen Niveau bei Hund, Katze, Nagern und Kaninchen.

Im folgenden wollen wir Ihnen eine kleine Handreichung geben, welche Nachteile ein schlechtes und krankes Gebiss auf die Gesundheit Ihres Tieres hat und welche Vorteile eine frühzeitige Erkennung und Behandlung derartiger Erkrankungen haben, oder was man zur Schadensbegrenzung unternehmen kann.

 

Tierische Zahnschmerzen oder warum zum Tierzahnarzt?

 

Mein Tier frißt ganz normal. Kann es denn Zahnschmerzen haben?

Ja, das ist häufig so! Denn Fressen ist eine Frage des Überlebens! Zahnschmerzen, als Anzeichen einer Erkrankung von Zähnen oder Maulhöhle sind bei Tieren schwer zu erkennen: deshalb werden Tiere mit Zahnerkrankungen leider oft erst relativ spät bei uns vorgestellt. Ein Tier wird trotz erheblicher Schmerzen solange wie möglich weiterhin fressen, denn in freier Wildbahn wäre es ohne die Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme zum Tode verurteilt! Häufig kauen Tiere mit Zahnschmerzen einseitig, werden kopfscheuer, ziehen sich zurück und leiden still. Probleme in der Maulhöhle können oft nur sehr schwer erkannt werden. Folgende Anzeichen müssen Sie als Tierbesitzer unbedingt ernst nehmen:

Mundgeruch

verändertes Fressverhalten

Zurückgezogenheit

Handscheue

gerötetes Zahnfleisch

Zahnstein

abgebrochene Zähne

Zahnverfärbungen

Zubildungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleisches

 

Häufig entwickeln sich die Anzeichen für eine Erkrankung der Maulhöhle schleichend und sind nur schwer wahrzunehmen. Ein regelmäßiger Blick in die Maulhöhle Ihres Tieres sollte deshalb zur Selbstverständlichkeit werden.

Die Maulhöhle unserer vierbeinigen Begleiter ist jeden Tag einer Vielzahl von harmlosen aber auch krankmachenden Erregern ausgesetzt und muss sich daher ständig gegen Infektionen wehren. Dies geschieht zum einen durch eine unversehrte, intakte Schleimhaut und zum anderen durch ein gut funktionierendes Immunsystem.

Leider leiden extrem viele Hunde und Katzen ab einem Alter von 6-8 Jahren unter zunehmenden Entzündungen des Zahnfleisches, die vor allem durch chronische Erkrankungen der Zähne oder des Zahnhalteapparates (Parodont) hervorgerufen werden. Häufiges Symptom solcher Zahnfleischentzündungen sind ein verstärkter Maulgeruch, übermäßige Empfindlichkeit bis hin zur Schmerzhaftigkeit beim Fressen oder Aufnehmen von Spielzeug, verstärktes Speicheln oder Schmatzen und Schlecken, teilweise Blutungen und vermehrtes Reiben am Maul. Manche Tiere zeigen aber auch nur ein verändertes Verhalten; sie werden ruhiger, ziehen sich zurück oder werden teilweise sogar aggressiver.

Vor allem bei Hunden können ebenso Verletzungen beim Spielen mit Stöckchen oder harten Gegenständen schwere und oft lange nicht erkannte Zahnfleischentzündungen hervorrufen. Und besonders bei den Katzen lösen Immunschwäche und virale Erkrankungen häufig hochgradige und äußerst schmerzhafte Entzündungen des Zahnfleisches und der Maulschleimhaut aus.

Leidet das Tier an Schmerzen beim Fressen, wird das Futter nicht mehr adäquat zerkleinert und vorverdaut, was den nachfolgenden Verdauungstrakt belastet und als Folge zu erheblichen Verdauungsproblemen führt oder es wird die Futteraufnahme sogar gänzlich eingestellt. Chronische Entzündungen fördern zudem die Entstehung von Tumoren, die in der Maulschleimhaut leider häufig sehr bösartig sind und extrem schnell wachsen.

Sämtliche chronische Entzündungen des Zahnfleisches und der Maulschleimhaut können zu schweren Erkrankungen vor allem von gut durchbluteten Organen wie Herz, Niere und Lunge führen und stellen somit eine ernste und absolut dringlich zu behandelnde Gefahr für den Gesamtorganismus dar. Falls Ihr Tier also eines der obengenannten Symptome zeigt, stellen Sie es daher baldmöglichst einem oder einer Zahnspezialisten/-in zur Untersuchung vor, bevor es für eine Therapie zu spät ist.

In den meisten Fällen haben wir es leider mit fortgeschrittenen Erkrankungen des Zahnfleischs oder des Zahnhalteapparates zu tun. Mit etwas Zahnstein fängt es an und ruck zuck wird aus einem harmlosen Zustand ein heftiger Krankheitsfall. Durch die mechanische Reizung, die der Zahnstein verursacht, und die bakterielle Kontamination durch Plaquebakterien entzündet sich das Zahnfleisch. Dies reizt den Kieferknochen und führt zu seinem Abbau. Als weiterer Effekt entzündet sich der Zahnhalteapparat. Alles zusammen führt über kurz oder lang zum Ausfallen des betroffenen Zahnes. Der Weg dorthin kann sehr lang und quälend sein. Ist er doch mit Infektion, Schmerzen, Entzündung, Absterben von Gewebe, Eiterbildung und einem ekligen Geruch verbunden. Auch wenn der Zahnspezialist das Bestreben hat jeden Zahn zu retten, ist in vielen Fällen Hopfen und Malz verloren, der Prozess zu weit fortgeschritten und damit das Urteil für den oder gar die Zähne gefallen. Ein Tier ohne kranke Zähne ist viel gesünder und fröhlicher als eines mit entzündeter und schmerzender Schnauze.

 

80 Prozent aller Hunde und Katzen über 3 Jahre leiden an Erkrankungen der Maulhöhle

70 Prozent aller Katzen über 3 Jahre weisen schmerzhafte Zahnresorptionen auf

64 Prozent aller Tiere leiden unter Erkrankungen des Zahnhalteapparats

100 Prozent dieser Erkrankungen wirken sich negativ auf das Wohlbefinden und die allgemeine Gesundheit aus*
*DGT (Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde, www.tierzahnärzte.de)

 

Muss man wirklich etwas unternehmen, wenn ein Zahn abgebrochen ist?

JA!

In Situationen, in denen aus der Zahnmitte nach einer Zahnfraktur eine Blutung beobachtet wird, erübrigt sich eine lange Diskussion. Hier ist es selbstverständlich, dass der Gang zum Tierarzt sein muss, denn dieser Zahn will versorgt werden. Die Entscheidungsfreiheit in solchen Fällen besteht zwischen der Extraktion, dem zügigen Verschluss der Zahnwunde (bis etwa 12 Stunden nach dem Trauma) oder der Füllung des Wurzelkanals.

Solch ein Zahn kann nicht mehr heilen und ihn einfach so zu belassen führt zu akuten Schmerzen und Spätfolgen!

Oft ist es aber so, dass niemand diese akute Blutung mitbekommt. Erst nach einigen Tagen oder Wochen fällt der abgebrochene Zahn auf. Er zeigt dann einen braun-schwarzen Punkt in der Mitte. Dies ist das ehemalige, blutversorgte und empfindliche Zentrum des Zahns, die Pulpa. Sie ist nun infiziert oder abgestorben. Nun ist die Entscheidungsfreiheit etwas eingeschränkter. Die Wahl besteht nur noch zwischen dem Ziehen des Zahnes oder der Wurzelkanalfüllung.

Je nachdem, welche Aufgaben ein Hund in seinem Alltag erledigt, kann es durchaus ratsam sein, die Zahnstümpfe mit Kronen zu schützen. Insbesondere für Schutz- und Jagdhund eignet sich dieses Verfahren.

Manchmal haben die Tiere Glück, und die Pulpa wird nicht eröffnet. Doch auch oberflächliche Absplitterungen können große Zahnschmerzen verursachen, wenn z.B. die äußere Schmelzschicht weggeplatzt ist und das Zahnbein freiliegt. Dies nennt man Dentinwunde und sollte zumindest versiegelt werden, damit keine Bakterien über die kleinen Dentinkanäle bis in die Pulpa vordringen.Bei kleinen Haarrissen oder Fissuren ist es wichtig zu wissen, wie tief der Riss ist, denn auch hierdurch kann sich die Pulpa infizieren.

Kann man eine Zahnbehandlung am wachen Tier ohne Narkose durchführen?

Nein, denn…

… eine vollständige Untersuchung der Maulhöhle ist im Wachzustand nicht möglich. Auch Röntgenuntersuchungen der Zähne können am wachen Tier nicht durchgeführt werden.

… bei einer Zahnreinigung ist besonders der Bereich der Parodontaltaschen wichtig. Das Parodontalgewebe ist sehr schmerzempfindlich und verletzlich. Kleine Abwehrbewegungen können so sehr schmerzhaft sein und zu folgenreichen Verletzungen führen. Bei der Zahnreinigung wird mit Ultraschall-Geräten gearbeitet, die mit Wasser gekühlt werden. Die Geräusche des Ultraschallgerätes sind für Hunde und Katzen sehr unangenehm, die Absaugung ebenfalls beängstigend. Zutrauliche Tiere können so schnell das Vertrauen in den Menschen verlieren und kopfscheu werden! Eine rein kosmetische Behandlung der Zahnkronen ist aus Tierschutzgründen abzulehnen.

Ist mein Tier für eine Zahnbehandlung schon zu alt?

Das Risiko von schmerzhaften Zahnerkrankungen steigt im Alter. Oft führen chronische Erkrankungen der Zähen und der Maulhöhle zu Erkrankungen des Herzens, der Nieren, der Gelenke etc. . Gerade alte Patienten blühen oft nach Zahnsanierungen wieder auf! Mit den heutigen Untersuchungs- und Narkosetechniken läßt sich das Narkoserisiko auch bei alten und vorerkrankten Tieren auf ein Mindestmaß reduzieren.

Wie oft sollte eine professionelle Zahnreinigung in Narkose durchgeführt werden?

Diese Frage läßt sich leider nicht pauschal beantworten. Die Abstände zwischen professionellen Zahnreinigungen ist abhängig von der Rasse ihres Tieres, der Ernährung, bestehenden Zahnfehlstellungen, bereits vorhandenen Zahn- oder Zahnbetterkrankungen und natürlich auch von der Intensität der häuslichen Zahnpflege, dem Zähneputzen!

Wie läuft die Behandlung ab?

Nach einer gründlichen Allgemeinuntersuchung kann ein erster Überblick über eine bestehende Zahnproblematik gewonnen werden. Eine genaue Diagnostik ist beim Tier nur in Vollnarkose möglich. Hierzu wird in der Regel zuerst eine gründliche Zahnreinigung und Desinfektion der Maulhöhle durchgeführt, bevor die Zahnkronen untersucht und die Zahnfleischtaschen sondiert werden können.
Die Maulhöhle ist erst in Narkose komplett einsehbar und einer genauen Untersuchung zugänglich.

Da nur etwa 40% des Zahnes von aussen eingesehen werden können (60% des Zahnes befinden sich im Kieferknochen) werden Röntgenaufnahmen von Zahn und/oder Kiefer erstellt, um an Hand der Aufnahmen eine genauere Aussage über die Zahnerkrankung machen zu können.

Und zu guter Letzt: Was kostet eine Zahnbehandlung?

Bei Patienten mit Vorerkrankungen kann es sinnvoll sein vor der Narkose Blutuntersuchungen einzuleiten, für die Kosten zwischen ca. € 25.- und € 85.- anfallen. Hierdurch lässt sich das Narkoserisiko besser abschätzen.

Die Kosten einer Zahnbehandlung gliedern sich in Narkose mit klinischer Allgemeinuntersuchung, Legen eines Venenkatheters, Narkoseeinleitung, Inhalationsnarkose mit der Möglichkeit zu einer kontrollierten Beatmung, Narkoseüberwachung mittels Vitalparametermonitor und entsprechend geschultem Personal sowie Infusionsbehandlung zur Kreislaufstabilisierung. Hierfür sind mit Kosten zwischen € 120.- bis 170.- zu rechnen.

Die eigentliche Zahnbehandlung gliedert sich in Diagnostik (mit evtl. intraorale Röntgendiagnostik) und die Therapie. Hier ist mit Kosten je nach Aufwand zwischen € 30.- und € 600.- zu rechnen. Die Abgabe eines verbindlichen Kostenvoranschlages kann erst nach eingehender Diagnostik erfolgen.

(c) 2018 Dr. med. vet. Stefan Dommer

Anschrift

Tierarztpraxis
Dr. med. vet. Stefan Dommer
Strassfeld 4
86465 Welden
Telefon 0 82 93 - 90 99 00

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